Fünf Abiturfächer, neue Prüfungsformen und mehr Projektarbeit: Die geplante Oberstufenreform in Nordrhein-Westfalen soll die gymnasiale Oberstufe grundlegend verändern. Das Schulministerium sagt, dass Schülerinnen und Schüler so besser auf Studium und Beruf vorbereitet werden. Aber was genau ändert sich eigentlich? Und welche Auswirkungen könnte die Reform auf den Schulalltag haben?
Die Schüler:innen sollen ja in Zukunft mehr Talente zeigen können und besser auf die Arbeitswelt vorbereitet sein. Um diese Ziele zu erreichen, will das Ministerium vor allem diese drei Sachen durchsetzen:
Das fünfte Abiturfach zum Beispiel: Das soll aus einer Projektarbeit mit darauffolgender Präsentationsprüfung bestehen. Laut Ministerium werden die SuS so ihre individuellen Stärken besser einbringen können. Außerdem soll die Fächerwahl fürs Abi flexibler werden.
Aber das gilt nicht nur für die Abschlussprüfung. In der Oberstufe sollen auch neue Prüfungsformen eingeführt werden. Bisher wird Leistung da hauptsächlich durch Klausuren gemessen. Kritiker bemängeln schon seit Jahren, dass dadurch vor allem das Auswendiglernen belohnt wird. In Zukunft sollen auch folgende Fähigkeiten stärker geprüft werden: Zeitmanagement, Teamarbeit, selbstständige Recherche und die Präsentation von Ergebnissen. Was eher den Anforderungen vieler Studiengänge und Berufe entspricht.
Aber wenn solche Projekte in Prüfungen drankommen, sollte man vorbereitet sein. Deshalb sollten ab der EF verpflichtende Projektarbeiten dazugehören. Im Unterschied zum normalen Unterricht wird nicht jede Woche ein neues Thema behandelt. Stattdessen arbeiten Schüler:innen oft mehrere Monate an einer Fragestellung. Dabei kann es sich um so unterschiedliche Dinge wie die Entwicklung eines Produkts, die Untersuchung eines Problems, eine wissenschaftliche Recherche, die Organisation einer Veranstaltung oder sogar ein Filmprojekt handeln. Dies bedeutet aber nicht, dass Klausuren verschwinden werden.
Das ist ja alles schön und gut. Durch den Fokus auf selbstständiges und projektbezogenes Arbeiten wird die Ausbildung praxisnäher, es gibt mehr Wahlfreiheit und sie ist moderner. Kritiker warnen jedoch vor einer zusätzlichen Belastung durch ein weiteres Abiturfach. Hinzu kommt, dass es einen hohen Aufwand bedeuten wird, es durchzusetzen. Vor allem angesichts des Lehrermangels und der knappen Zeitpläne. Die Organisation des Abiturs erfordert in der Regel etwa drei Jahre.