
Alle Jahre wieder zieht die Demo durch Köln. Und wächst jedes Mal. Rund 60.000 Menschen haben am Umzug mit über 100 Festwagen teilgenommen. Ich wollte mir von nahem anschauen, welchen Eindruck diese große Parade macht.
Kurz nach zwölf stehen wir gut platziert auf der Schildergasse und warten auf ein schönes Spektakel. Es ist der fünfte Juli. Zum Glück ist es nicht so heiß wie in den übrigen Sommertagen dieses Jahr. Die Stimmung ist ausgelassen. Meine Kollegen fächern sich regenbogenfarbige Luft zu. Schnell laufe ich dem kleinen, vorausfahrenden Wägelchen hinterher, wo ebendiese Fächer und Fahnen für eine Obdachlosen-Spende verteilt werden. Nach einigem Zögern wähle ich die Fahne und hänge sie mir um. Während ich noch versuche, die Enden an meinem Hals zusammenzufriemeln, sehe ich aus der Ferne eine schier unendliche Karawane von Menschen und Wagen die Straße entlanggehen. Je näher sie uns kommen, desto vertraulicher kommt mir ein Gesicht vor… Das von Herrn Lauterbach. Ich finde, die Halskette steht ihm wirklich. Aber das war’s noch lange nicht. Alle möglichen queeren Gruppen präsentieren sich. Studis, Migranten, Personen mit Handicap, Eltern und viele mehr. Meine Highlights: Das kleine, laut brüllende Mädchen auf der Fahrradkutsche. Ein Engel, ein Schwan, mehrere Tänzer*innen mit Kostümen wie aus Rio und eine echt geile Big Band. Am Straßenrand lässt sich perfekt dazu viben. Daran kann auch ein gelegentlicher Regenschauer nichts ändern. Stattdessen rufen die Massen um die Wette: „Happy Pride!“. Nur als der Wagen der CDU vorbeifährt, senkt sich der Lautstärkepegel etwas, abgesehen von der Musik. Es sind einige Buhrufe zu hören. Danach geht’s wieder ab. Über den Nachmittag sammeln sich viel zu viele Goodies an. Sie alle verschenken, was es halt so gibt – oft Sticker, ein paar Flaschenöffner, eine Freundin bekommt sogar ein Erdbeer-Eis. Und dann, etwa um 2, sind wir beim letzten Wagen angelangt.
Ich habe aber noch lange nicht genug. Also laufen wir wieder ganz nach vorne. Erst am Neumarkt vorbei, dann am Rudolfplatz, wo fast kein Durchkommen möglich ist und schließlich zum Friesenplatz. Eine ganze Horde junger Leute stolziert im Mittelfeld des Zuges. Mittendrin meine Freunde. Und plötzlich finde ich mich selbst als Demonstrant wieder. Wobei es eine wirklich besondere Demo ist. Von allen Seiten gibt es Jubel und Musik. Selbst von den Fenstern und Balkonen über uns winken die Menschen und wehen ihre Flaggen. Wir kommen langsam zum Endpunkt. Kurz vorher ergreift mich noch einmal die Lust zu tanzen. Ich stecke alles rein, einfach so. Andere singen laut zu den Songs. Am Dom verabschieden sich die Wägen. Aber der Christopher Street Day ist noch nicht vorbei. Wir bewegen uns zum Heumarkt, wo das Straßenfest schon seit zwei Tagen läuft. Hier krieg ich endlich, was mir noch fehlt… Glitzer! Mit Arielle auf meiner Wange, der Fahne als Umhang und unzähligen bunten Armbändern kann ich den Tag glücklich abschließen.
Am Ende kann ich nur sagen: Das wird eine meiner besten Erinnerungen von Köln bleiben. Dieser Umzug war einfach nice. Nette Leute, gutes Wetter, super Stimmung. Es ist ein echtes Zeichen für die Community. Dass wir so vielfältig sind, ist wirklich geil. Und der CSD ist der klare Beweis. Geht nächstes Jahr hin und überzeugt euch selbst!